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Border-Collie

Ausbildung


Hier einige Grundgedanken zur Ausbildung für den Einsatz als Hütehund:

Ein wichtiger Gedanke vorab:

"Ein Border Collie (oder auch ein Australian Shepherd, o.a.) ist ein Hütehund und Hütehunde sollten hüten!"

So oder so ähnlich bekomme ich es immer wieder per Telefon oder Email von Border Collie Besitzern gesagt, die gerne zu mir zum Training kommen wollen... Auch von manchen Ausbildern hört man diese Äusserung immer wieder: "Ein Border Collie gehört ans Vieh!"
Aber stimmt das? Gehört jeder Border Collie ans Vieh?
Heißt das im Umkehrschluss, jeder Border Collie Besitzer ohne eigene Schafe sollte nun losziehen und seinem Hund eine Möglichkeit verschaffen, seine Triebe als Hütehund auszuleben? So dass man ihn sozusagen "artgerecht beschäftigt", wie es mir schon so oft gesagt wurde...?!

Meine Antwort: Ganz klar NEIN!

Warum? Weil man nicht vergessen darf, dass die Arbeit mit einem Hund an den Schafen "kein Spaß" ist, auch wenn sie zugegebener Maßen Spaß macht!
Das Arbeiten mit einem Hund an Schafen, ohne dass dahinter eine Notwendigkeit steht (wie z.B. dass der Hund später tatsächlich für einen schonenden Umtrieb von Tieren eingesetzt werden soll), macht überhaupt keinen Sinn und ich lehne dies bei mir an meinen Schafen aus folgenden Gründen ab:
1. Es ist absolut nicht ausreichend für den Hund, 1 mal die Woche oder noch weniger an Schafen zu arbeiten. Wenn er es gewohnt ist, braucht er die Arbeit deutlich regelmäßiger und öfter. Im Idealfall täglich!
2. Kann es mal zu ungewollten Pausen wegen des Schafbesitzers selbst kommen (Krankheit der Schafe, evtl. Umzug weiter weg) -dann hat man plötzlich nicht mehr die Möglichkeit mit dem Hund zu trainieren. Muss es aber machen, da der Hund es ja nun gewohnt ist... Schon hat man ein ernsthaftes Problem! Einfach aufhören, wenn man selbst keine Lust mehr hat, oder weil eben die Möglichkeit plötzlich nicht mehr da ist, funktioniert für den trainierten/ausgebildeten Hund nicht!
3. Kommt man bei einem Training von max. 1 mal die Woche ab einem gewissen Ausbildungsstand nicht mehr voran und stagniert irgendwann völlig und Hund, sein Besitzer und der Trainer selbst werden zunehmend frustriert und anstatt Spaß und Erleichterung bringt das Training plötzlich Frust für den Hund!
4. Ist es tierschutzrechtlich nicht zu vertreten! Für die Schafe ist es nicht wirklich lustig, vor allem von Anfängerhunden gearbeitet zu werden. Junge Hunde sind sehr oft sehr ungestüm und es nimmt viele Wochen in Anspruch, das Temperament der jungen Hunde gut unter Kontrolle zu bringen. Es kommt schon mal vor, dass ein etwas zu enthusiastischer Hund auch schon mal ein Schaf beißt und/oder verletzt. Oder zumindest quer über die Wiese hetzt oder anrempelt. Diese Unannehmlichkeiten für die Schafe sind in meinen Augen nur mit dem Argument zu vertreten, dass die Ausbildung des Hundes am Ende dazu dient, dass er tatsächlich für die Arbeit am Vieh eingesetzt wird und dann wenn man so möchte "es wieder gut machen kann" indem er die Schafe nach seiner absolvierten Ausbildung schaffreundlich und artgerecht im Alltag begleitet (Umtrieb, Einpferchen für Klauenpflege, Schur, Entwurmung, usw.)...
5. Selbst wenn der Hund von Anfang an eher nett ist und nicht zu "Unhöflichkeiten" neigt, ist es für die Schafe alles andere als angenehm gearbeitet oder trainiert zu werden. Denn das Grundschema, auf dem das Hüten basiert ist und bleibt immer das Gleiche: Der Hund bleibt Beutejäger/ Wolf, die Schafe bleiben Beute/ Opfer! Schafe sind Fluchttiere und fühlen sich immer bedroht in Anwesenheit von Hunden (oder anderen Beutegreifern, wie Füchsen, Wieseln, usw.). Schafe bewegen sich von Natur aus freiwillig nur sehr wenig. Ihr Dasein ist eigentlich darin begründet, zu grasen, wieder zu käuen, zu ruhen/schlafen und sich fort zu pflanzen. Alles darüber hinaus ist "Mehrarbeit" und beansprucht das einzelne Tier zusätzlich und zudem unnötig...

Wie man sieht, muss man hier also sehr vorsichtig sein, dass die Schafe nicht zum Sportgerät für den Hund mutieren (was ganz sicher selten in der Absicht der Leute liegt, da hab ich keinen Zweifel!). Bei allem Verständnis für den Wunsch der Hundebesitzer Ihrem Border Collie als Hütehund gerecht zu werden, so müssen für mein Verständnis jedoch die Bedürfnisse der schwächeren Tierart, nämlich die der Schafe, ganz klar im Vordergrund stehen...
Schafe haben es ebenso verdient "artgerecht" behandelt zu werden! Dies sollte bei dem Wunsch dem eigenen Hund "nur das Beste" zu wollen unbedingt berücksichtigt werden!

Daher gilt zumindest für mich als Ausbilderin der Grundsatz: Kein Vieh, kein Training!
Sicherlich wird es Ausbilder geben, die solche Trainings für Leute ohne eigenes Vieh anbieten. Einzig aus dem Grund, weil hierin ein großes Marktpotential liegt und weil man hier gutes Geld verdienen kann. Auch ich schneide mir mit dieser Einstellung die ich hier vertrete wohl eher ins eigene Fleisch...
Dennoch: Wer unbedingt trotzdem mit seinem Border Collie an Tieren arbeiten möchte, wird sicherlich einen anderen Trainer finden, der seine Schafe für dieses zweifelhafte Hundevergnügen hergeben wird. Für mich bleibt die Frage: Warum tut man das? Und: Wo bleibt hier die Tierliebe, die hoffentlich über den eigenen geliebten Vierbeiner hinaus gehen sollte!?

 

Wie “funktioniert” der Hütetrieb?

Wichtigste Tatsache ist, dass der Hütetrieb auf dem Jagdtrieb basiert. Das Hüten von Vieh durch den Border Collie ist nichts anderes als das “bejagen” eben dieses!
Dafür bezeichnend allein schon ist die geduckte Körperhaltung, die der Border Collie bei der Arbeit einnimmt. Auch die eingezogene Rute ist nicht -wie oft irrtümlich angenommen- ein Zeichen von Angst, sondern von absoluter Konzentration!
Der Ursprung des Hüteverhaltens liegt bei der gemeinschaftlichen Jagd, wie sie bei Wölfen üblich ist. Die Rudelmitglieder jagen gemeinsam, wobei jedes Mitglied eine bestimmte Aufgabe bei der Jagd übernimmt. Die Beute wird vom Rudel ausgekuckt, anschließend eingekreist und von dem Rest der Herde abgetrennt und in die Enge getrieben. Ist dies geschehen, wird das Beutetier getötet und anschließend verzehrt!

Genauso funktionieren auch Meine Hunde: sie umkreisen die Beute, treiben sie dem “Alphatier” -sprich ihrem Herrn- zu, dessen Aufgabe es bei der Ausbildung ist, darauf zu achten, dass es niemals zur Endhandlung des Jagens kommt: dem Töten! Wobei zu sagen ist, dass die Neigung zur Endhandlung durch Zuchtselektion auf ein Minimum reduziert wurde. In Britannien ist es teilweise noch heute üblich, einen Hund der Schafe beißt oder gar tötet sofort zu erschießen! Zum erstens weiß man aus Erfahrung, dass man dies nur schwer oder gar nicht abgewöhnen kann, und zweitens sich kein Schäfer, dessen Kapital die Schafe sind, seine Schafe durch einen jagenden Hund verletzen oder töten lässt...!
Auf diesem Hintergrund basierend ist es wohl auch jedem einleuchtend, dass die Rangfolge zwischen Hund und Mensch ohne jeden Zweifel geklärt sein muß! Sonst habe ich bald nicht mehr einen Hund, der mir bei der täglichen Arbeit hilft, sondern einen, der meine eigenen Tiere wildert... Daher ist bei der Erziehung und Ausbildung eines Border Collies, sei es für die Arbeit am Vieh oder als Sport- u./od. Familienhund, von größter Wichtigkeit, es dem Hund NIEMALS zu gestatten, auch nur den Ansatz eines jagdlichen Verhaltens zu zeigen -weder beim Vieh auf der Koppel, noch beim Spaziergang durch Wald und Flur!

 

Wann beginnt man mit der Ausbildung?

Border Collies sind Spätentwickler, so dass man den Hunden erst einmal die Möglichkeit geben sollte, in Ruhe erwachsen und reif zu werden.
D.h. das Training beginnt nicht vor dem vollendeten 1. Lebensjahr. Auch wenn viele junge Hunde sich bereits in jungem Alter bereitwilligkeit für die Arbeit zeigen, sagt die Erfahrung, dass man einen guten Hund eher kaputt macht, beginnt man das Training sehr früh!!
Dies liegt u.a. daran, dass ein junger Hund in seinem Selbstvertrauen noch nicht so gestärkt ist, als dass er Rückschläge, die die tägliche Arbeit unweigerlich mit sich bringt, gut verkraften könnte. Auch kleine Ausbildungsfehler seitens des Handlers werden nicht so gut verziehen, wie in reiferem Alter.
Bekommt der junge Hund z.B. während er mit seinem Herrn zusammen bei den Schafen ist, einen Stromschlag am Elektrozaun, kann er dies fehlinterpretieren und mit entweder den Schafen oder dem Herrn in Zusammenhang bringen. Oder noch schlimmer mit beidem! In jedem Fall aber wird sich in seinem Bewußtsein einprägen, dass Arbeit in der Nähe von Schafen und/oder Herrn wehtut. Und das gefällt niemandem. Verständlich, wenn ein solches Ereignis einen jungen Hund für den Rest seines Lebens prägt!

Dazu kommt, dass der Border Collie sehr stark selbstbelohnend handelt. D.h.: läßt man den Hund als Welpe oder Junghung regelmäßig z.B. durch den Zaun oder die Boxengitter durchglotzen, wird man später einen Hund haben, der nur schwer auf die Beine und vorwärts zu bringen ist! Er hat sich angewöhnt, dass seine Aufgabe ist, die Schafe nur anzuglotzen statt vorwärts zu treiben und erlebt hierbei bereits einen solchen Adrenalinausstoß, dass er es gar nicht mehr als notwendig ansieht, die Schafe anderweitig zu “bearbeiten”.

Also vorsicht mit dem jungen Hund und Obacht vor versteckten, sich einschleichenden Angewohnheiten, die sich später ungünstig auf die Arbeit am Vieh auswirken!

 

Was sind die Grundvoraussetzungen?

Bevor ich mit dem Training an den Schafen (oder Rindern, oder sonstigen Tieren! Ich werde hier der Einfachheit halber nachfolgend nur noch von Schafen sprechen. Selbstverständlich gilt gleiches aber jeweils auch für die Ausbildung an anderen Tieren!) beginne, gibt es einige Grundvorraussetzungen, die unbedingt gegeben sein müssen, bevor ich mit der Ausbildung anfange:
Zuerst einmal muß der Hund eine konsequente Grundausbildung genossen haben. Hierunter verstehe ich ein gutes Gehorsam. Ganz besonders wichtig sind hier das Kommen und ein Stop Kommando! Und dies in allen erdenklichen Lebenslagen! Hört mein Hund bereits beim Spazierengehen nicht beim ersten Komm-Kommando und kommt unverzüglich zu mir, wie kann ich dann erwarten, dass er dies tut, wenn ich mit ihm an den Schafen arbeite, während dessen ja in ihm der Jagdinstinkt erwacht??!! Ebenso verhält es sich mit dem Stop-Kommando (meist “Platz”): stoppt der Hund bereits ohne größere Ablenkung nicht auf mein Kommando, kann ich kaum erwarten, dass er auf mein Zurufen stoppt, wenn gerade eine Gruppe Schafe vor seiner Nase davon hüpft und er gerne hinterher jagen möchte...!

Ein weiteres nützliches Kommando beim Training ist Beifußgehen, was nicht unbedingt heißt, dass der Hund immer links von mir läuft, wie es auf dem Hundeplatz verlangt wird. Im Gegenteil, wir wollen einen flexiblen Hund. Daher sollten beide Seiten geübt werden. Hier ist es schön, wenn ich mit meinen Hund ohne Leine auf die Wiese gehen kann, mit der Gewißheit, dass er mir nicht gleich davon saust, sondern auf mein Kommando wartet. Auch hier gilt: kann ich nicht ohne Leine, sprich mit reinem Gehorsam, auf die Wiese zu den Schafen gehen, kann ich nicht erwarten, dass mir mein Hund gleich beim anschließenden Training zuhört. Folglich habe ich meine Hausaufgaben noch nicht richtig erledigt und muß noch ein wenig üben!

Macht mein Hund dies alles, kann ich mit der Ausbildung beginnen. Hierbei muß trotz allerbester Grundausbildung und -gehorsam des Hundes sicher gestellt sein, dass den Schafen nichts passieren kann. Denn -noch einmal: wir arbeiten hier mit dem Jagdinstinkt des Hundes. Und genauso benimmt sich ein Border Collie anfänglich bei den Schafen -er jagd sie! Daher stelle ich meine Schafe für das anfängliche Training eines jungen Hundes in ein Knotengitternetz. Dies stellt eine natürliche Hürde und auch einen gewissen Respekt für den jungen Hund dar, so dass ich sicher sein kann, dass er nicht gegenüber von mir -wo ich nicht direkt eingreifen kann- in die Gruppe semmelt und eines der Tiere beißt. Dabei ist es selbstverständlich, dass auf dem Netz kein Strom ist!

Nun kann ich anfangen, die natürlichen Vorlieben meines Hundes heraus zu finden und daran zu arbeiten. Der eine hat den natürlichen Trieb, die Schafe direkt zu seinem Herrn zu bringen, ohne dass er das jemals beigebracht bekommen hätte. Der nächste treibt sie lieber in die nächste Ecke und hält sie dort fest, alleine durch sein Auge. Wieder ein anderer bevorzugt es womöglich, mitten in die Herde zu springen und die Tiere auseinander zu treiben. Dies alles ist reine Charaktersache des Hundes und weder das eine noch das andere ist schlechter oder besser! Jeder junge Hund bringt sein ganz persönliches Können mit und ist willig, dazu zu lernen!

Nun kann das Training entgültig beginnen...!

 

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